Kreativität im Zeitalter der KI – Rückblick auf CreativeMornings Cologne an der Media University
- Klaus Kuenen
- 5. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Dez. 2025
Am 28. November 2025 durften wir an der Media University Cologne ein CreativeMornings-Event ausrichten, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Rund 100 Kreative – Designer:innen, Entwickler:innen, Agenturverantwortliche, Studierende und Kolleg:innen aus der Hochschule – füllten den neuen Marktplatz des Campus mit Energie, Neugier und einer spürbaren Lust auf Debatte. Es war genau das, was eine kreative Community braucht: Reibung, Relevanz, Resonanz.
Der Ausgangspunkt: Kreativität unter Beobachtung
Gemeinsam mit meinem Kollegen Prof. Dr. Ranty Islam haben wir Thesen zur Rolle künstlicher Intelligenz im kreativen Prozess vorgestellt. Die Stimmung im Raum machte schnell deutlich: Viele Kreative stehen der Frage, was KI mit ihrem Beruf macht, mit einer Mischung aus Faszination und Skepsis gegenüber.
Doch statt uns in technischen Details zu verlieren, haben wir die Diskussion bewusst auf die Ebene gelenkt, die wirklich zählt: Was bewerten wir eigentlich, wenn wir kreative Arbeit betrachten?
These 1: Unsere Perspektive bestimmt das Urteil – nicht das Ergebnis
Wir stellten fest: In dem Moment, in dem wir auf ein Werk schauen, entscheiden unsere beruflichen Routinen, Vorlieben und Erfahrungen darüber, wie wir es bewerten. Verändern wir die Perspektive, verändert sich das Urteil. Das ist trivial – aber gleichzeitig fundamental. Und es ist der Grund, warum KI-Werke in Blindtests oft so gut oder sogar besser abschneiden als menschliche – bis man weiß, dass sie von einer Maschine stammen.
These 2: Objektivität ist unmöglich – wir sind Teil der Daten
Wissenschaft lebt von Objektivität. Aber wenn wir Kreativität untersuchen, sind wir automatisch Teil des Messsystems. Wir können nicht neutral gegenüber einem Werk sein, das in uns Gefühle hervorruft – und erst recht nicht neutral gegenüber einer Technologie, die unsere berufliche Identität berührt.D ieser Punkt hat auf dem Panel erkennbar gezündet. Viele im Raum merkten: Die eigentliche Auseinandersetzung ist nicht wissenschaftlich, sondern zutiefst persönlich.
These 3: Wir sollten aufhören, über KI als Technologie zu sprechen – und anfangen, über Wirkung zu sprechen
Ranty und ich haben die Frage aufgeworfen: Warum versuchen wir eigentlich, die Maschine zu bewerten? Niemand bewertet einen Film danach, wie der Fernseher funktioniert. Wir bewerten ihn danach, wie er wirkt.
Die gleiche Haltung könnten wir gegenüber kreativen KI-Ergebnissen einnehmen: Nicht „Wie wurde es erzeugt?“, sondern „Was macht es mit uns?“.
Kontroverse, die sich lohnt
Natürlich gab es Widerspruch. Natürlich gab es Zweifel. Und genau das war der Wert des Vormittags.
Einige Kreative pochten auf die Besonderheit menschlicher Intuition und Erfahrung. Andere sahen die Chance, gemeinsam mit KI radikal neue kreative Räume zu öffnen. Beides stimmt – und beides schließt sich nicht aus.
Mein Fazit
Kreativität war schon immer ein Zusammenspiel aus Werkzeugen, Kontext und Menschen.KI ist kein Ersatz. Aber sie verändert den Rahmen, in dem wir arbeiten – und zwingt uns, unsere eigenen Prozesse neu zu reflektieren.
Das CreativeMornings-Event hat gezeigt: Die kreative Szene ist bereit, diese Diskussion nicht nur zu führen, sondern aktiv zu gestalten.
Und dieser Dialog beginnt gerade erst
Vielen Dank für die tolle Sketchnote an Petra Sonnenberg-Greulich








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