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Disruptive Innovationen aus designwissenschaftlicher Perspektive

Meine Promotionsschrift als Buch

gerade veröffentlicht und bei Amazon als Buch oder Kindle zu bestellen.

Schon lange wird im unternehmerischen Alltag der Begriff „Innovation“ von Josef A. Schumpeter genutzt. Seit einigen Jahren zunehmend auch der Begriff „Disruptive Innovationen“ von Clayton M. Christensen. Immer wieder werden solche disruptiven Innovationen für die Zukunft gefordert und in der Ex-post Betrachtung in zahlreichen Innovationen der Vergangenheit erkannt.

Wie aber wirken Innovationen, insbesondere disruptive Innovationen auf der unternehmenskulturellen Ebene? Was sind Möglichkeiten und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung und welche Rolle spielen in diesem vielschichtigen Prozess die Werte?
Und schließlich: wie schaffen wir schon in der Ausbildung die Voraussetzungen für ein Umfeld, in dem sich Innovationen und damit Veränderungen entwickeln können?

In Grenzgängen zwischen Wirtschaft und Designwissenschaft als Ebene der Bedeutungsgebung, arbeitet ich in meiner Promotionsschrift den kulturellen Aspekt von Veränderungen durch Innovationen in Unternehmen heraus. Dabei werden die Perspektiven von Schumpeter und Christensen erweitert und exemplarisch der komplexe Prozess der Bedeutungsgebung und Bedeutungsveränderung veranschaulicht – als wesentlicher Teil im prozessualen Designverständnis.

Meine wichtigsten Aussagen als Fazit:

  1. Das Bestreben, Orientierungswerte oder Innovationspotentiale im Vorfeld abzuklären, ist zum Scheitern verurteilt.
  2. Erst im reflektierenden Erforschen der Handlungsmöglichkeiten zeichnet sich heute ab, was morgen möglich wird.
  3. Das prädikative designwissenschaftliche Arbeiten an Möglichkeiten gibt dem präskriptiven Handeln der Wirtschaft ein adäquates Gegengewicht.
  4. Ein Dialog zwischen diesen unterschiedlichen Werten ist als Kommunikationen verbindend.
  5. Möglichkeiten schaffe ich, wenn ich mich den „Annahmen“ widme, situativ von den Möglichkeiten aus denke
  6. Innovationen verändern Wertesysteme nachhaltig; die Veränderung vollzieht sich auf der Ebene der Wahrnehmung.
  7. Die Art der Akzeptanz der Invention ist nicht vorhersehbar.
  8. Innovation entsteht in der Bereitschaft zur Adoption von Inventionen und diese bindet sich eng an kulturelle Umwertungsprozesse. Diese Zusammenhänge lassen sich alleine prozessual verstehen.
  9. Machbarkeit tritt gegenüber Anschlussfähigkeit in den Hintergrund.
  10. Anschlussfähigkeiten verstehen ist Voraussetzung für das Verständnis des Phänomens disruptiver Innovationen.
  11. Deskriptive und präskriptive Verfahren produzieren nur Anwendungswissen.
  12. Design ist der Rahmen des Handelns im Innovationsprozess.

 

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3 Kommentare

  1. SH

    30. Mai 2017 - 15:02
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    Ausgezeichnet lesbarer und lesenswerter Beitrag gegen den herrschenden Technik-Hype.
    Was diese Arbeit spannend macht, ist die in der Interaktivbranche rar gewordene Verweigerungshaltung gegenüber der ungebremsten Technophilie, die alles dem Primat der Machbarkeit unterordnet: Was man machen kann, wird passieren, heißt es allzu oft. Klaus Kuenen zeigt auf, warum sich eine Neuerung eben nicht einfach eo ipso durchsetzt, wie oft behauptet wird („Alles Bezahlen wird digital werden, denn Apple stellt die Wallet vor!“, „Alle deutschen Automobilhersteller werden Konkurs anmelden müssen, denn Tesla ist innovativer!“). Vielmehr stellt der Autor die immer wieder übersehenen Attribute der sozialen und vor allem menschlich-emotionalen Anschlussfähigkeit in den Mittelpunkt: Innovation begreift Kuenen nicht als Neuerung um der Neuerung willen, sondern als den Adaptionsprozess von ‚inventions‘ (adaption + invention ergibt also = innovation). Bedeutet: Wird eine Erfindung nicht angenommen, ist sie auch keine Innovation.

    Allein dieser Ansatz macht das Werk lesenswert und stiftet Verständnis dafür, wie etwa eine EU als Gebilde funktioniert, begreift man sie erstmal als designwissenschaftliches Organismus, der auf disruptive Umwelteinflüsse reagiert und zu fulminanten Markteinflüssen gleichsam einen Verzögerungsschalter einzubauen sucht.
    Viele Praxisbeispiele aus dem heutigen technolgisch-wirtschaftlichen Alltag stellen einen aktuellen Bezug her, die Argumentaion ist nicht nur sauber und strukturiert, sondern auch konsumierbar geschrieben, statt sich in bedeutungsschwangerem Fachtermini-Geklimper zu genügen. Ein spannender Beitrag zum aktuellen Diskurs, wie Mensch, Politik, Gesellschaft und vor allem Wirtschaften mit Innovationen umgehen können.

  2. Mera

    6. Juni 2017 - 19:02
    Reply

    sehr lesenswert
    Neue Räume öffnen, erfordert Unabhängigkeit im Denken und Handeln. Den Mut und die Neugier sich von einseitigen, extremen Perspektiven zu lösen. Eine Balance zu finden zwischen skeptischer Distanz und der Leichtigkeit des Denkens. Klaus Kuenen zeigt, wie die Perspektive des Designers die wirtschaftliche Position bereichert. „Designer haben Routine darin, keinen Lösungsvorschlag als endgültig zu akzeptieren,“ schreibt Katarina Bredies in Positionen zur Designwissenschaft (2010, S. 24). An diesem Punkt setzt die Argumentation an. Clayton M. Christensen legt in The Innovator’s Dilemma (1997) dar, wie wirtschaftliche Innovation unabhängige Strukturen bedarf, um die Voraussetzung für die Freiheit im Denken und im Handeln zu schaffen. Klaus Kuenen geht in seinen Überlegungen weiter. Nicht alleine unternehmerische Strukturen müssen überdacht werden, sondern auch das Verständnis des Lösungsvorschlags und seiner Möglichkeiten selber. Innovation ist nicht kalkulierbar. Der Designer versteht das. Man kann ein intrinsisches Verständnis von Innovationsgeschehen erlangen, im Sinne einer offenen, einfühlenden Perspektive. Lösungsvorschlag ist nicht gleich Lösungsvorschlag. Er kann auf eine einseitige, kalkulierbare Position beharren, oder seine Wahrnehmung im Hinblick auf die Bedeutung für das Unternehmen und den Kunden schärfen. Ein klug argumentiertes Buch. Sehr lesenswert und ein wichtiger Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion.

  3. Ann Schneider

    5. Juli 2017 - 10:01
    Reply

    Das Thema „Disruptive Innovationen“, gern gehörtes Schlagwort in der freien Wirtschaft, interessiert mich im Berufsalltag. Warum sind Veränderungen in Unternehmen so schwierig? Warum bewegen sich etablierte Unternehmen so träge? Hat das wirklich nur mit Größe zu tun? Die digitalen Möglichkeiten sind immens, echte Innovationen selten, disruptive fast keine. Und was heißt das überhaupt, disruptive Innovation? Das Buch von Klaus Kuenen ist eine Streitschrift zur Promotion. Wenn mir der Autorenname nicht schon aus Online-Marketer-Kreisen bekannt gewesen wäre, hätte mich der sehr theoretische Titel wohl abgeschreckt. Spannend wird das Ganze, weil Kuenen in beiden Bereichen, Design und Betriebswirtschaft, selbst gearbeitet hat und sie gut abgrenzen kann. Mit der geforderten Messbarkeit aus der Betriebswirtschaft werden Innovationen schwierig. Für eine Innovation braucht es immer ein Stück Revolution. Und die ist schon mal disruptiv: Die Innovation „zerstört“ das Bestehende. Wer findet die „nicht gewordenen Möglichkeiten“? Oder kann man sie überhaupt suchen? Was ich an dem Buch spannend finde, ist die Verschränkung von Design, Betriebswirtschaft und Lust auf Veränderung. „Märkte, die nicht existieren, können nicht analysiert werden“ – das Zitat von Christensen zur disruptiven Innovation zeigt die Grenzen von betriebswirtschaftlicher Betrachtung und sollte jeden Unternehmer zum Querdenker, also Designer im weiteren Sinne, werden lassen. Nicht verschweigen will ich, dass die Sprache in manchen Kapiteln echt Konzentration erfordert – dafür ziehe ich einen Stern ab. Ich bin trotzdem dran geblieben und empfehle das Buch allen, die gern querdenken, sich fragen, warum Unternehmen manchmal so schwerfällig agieren, und wissen wollen, wie Innovationsprojekte erfolgreich werden.

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